Zum Inhalt springen

Einblicke · Rückverfolgbarkeit und EID · 3 Min. Lesezeit

Die Vorschriften verlangen diese Daten längst. Machen Sie etwas daraus.

Die US-EID-Vorschrift, Schraubenwurm und H5N1, die Fristen von Sanitel und RVO I&R und wie eine vorgeschriebene Kennung zum Schlüssel für die betriebseigenen Daten wird.

Von Mule · Veröffentlicht 17. Oktober 2026 · Aktualisiert 17. Oktober 2026

Rückverfolgbarkeit hieß früher: eine Ohrmarke im Ohr, damit die Behörden zufrieden sind. Heute entscheidet sie darüber, welche Tiere eine Grenze passieren dürfen, welche Käufer einen Aufpreis zahlen und wie schnell sich ein Seuchenausbruch eindämmen lässt. Die meisten Daten schreiben die Vorschriften ohnehin schon vor. Die Chance liegt darin, sie für den Betrieb nutzbar zu machen, der sie erzeugt.

Die USA: die EID-Vorschrift

Seit dem 5. November 2024 müssen amtliche Ohrmarken, die für das Verbringen zwischen Bundesstaaten eingezogen werden, nach der ADT-Vorschrift von USDA APHIS zur Rückverfolgbarkeit von Tierseuchen sowohl visuell als auch elektronisch lesbar sein. Die Vorschrift gilt für alle Milchrinder, einschließlich Beef-on-Dairy-Kälbern jeden Alters, sowie für nicht kastrierte Fleischrinder ab 18 Monaten. Amtliche US-Ohrmarken tragen am Anfang der 15-stelligen Nummer den Ländercode 840.

Außerhalb der Milchviehhaltung ist EID kaum verbreitet. In der letzten landesweiten Fleischrinderstudie nutzten nur 0,8 % der Mutterkuhbetriebe EID, während 90 % der US-Milch von Betrieben mit Einzeltieraufzeichnungen stammen. Milchvieh ist digital erfasst, Fleischrinder und Kälber sind es größtenteils nicht.

Tierseuchen machen daraus eine Marktfrage

Die jüngsten Ereignisse haben die Rückverfolgbarkeit von einer Pflichtübung zu einer Frage des Marktzugangs gemacht:

  • Neuwelt-Schraubenwurmfliege. Die Rinderimporte über die Südgrenze wurden im Mai 2025 für rund 15 Monate gestoppt. Bis zum 4. Oktober 2026 gab es in den USA 53 Fälle bei Tieren (51 in Texas, 2 in New Mexico). Der Grenzübergang Douglas, Arizona, wurde am 24. August 2026 auf Grundlage eines gemeinsamen Protokolls wieder geöffnet, und Texas verlangt für Rinder mexikanischer Herkunft inzwischen zusätzliche Dokumente und RFID.
  • H5N1 bei Milchrindern. 2024 waren 917 Herden betroffen, 2025 waren es 171 und 2026 bisher 93, insgesamt rund 1.180 Herden in mindestens 19 Bundesstaaten. In Wisconsin wurde der erste Bestand im Dezember 2025 bestätigt. Tests vor dem Verbringen und Nachweise zum Herdenstatus gehören inzwischen zum Papierkram des Alltags.

Wenn eine Grenze oder ein Markt über Nacht schließen kann, kommen die Herden zuerst zum Zug, die belegen können, wo jedes Tier gewesen ist.

Belgien und die Niederlande

In der EU tragen Rinder nach der Delegierten Verordnung (EU) 2019/2035 zwei Ohrmarken. Die Mitgliedstaaten können zulassen, dass eine davon durch ein elektronisches Kennzeichen ersetzt wird. EID ist freiwillig, solange nationale Vorschriften sie nicht verlangen, wie etwa in Irland und Luxemburg.

  • Belgien: Ein Kalb muss innerhalb von 7 Tagen nach der Geburt in Sanitel registriert werden. Belgien zählte im Dezember 2025 2,13 Millionen Rinder (Eurostat), Ländercode 056.
  • Niederlande: Ein Kalb muss innerhalb von 3 Arbeitstagen bei RVO I&R gemeldet werden. Die Niederlande zählten im Mai/Juni 2026 3,55 Millionen Rinder (Eurostat) und im April 2025 964.000 Mastkälber (CBS), viele davon aus Deutschland, Irland und Belgien eingeführt. Ländercode 528.
  • Das Verbringen zwischen Mitgliedstaaten wird über TRACES bescheinigt.

Auch hier bestimmt der Seuchendruck, welche Tierbewegungen möglich sind. Die Blauzungenkrankheit (BTV-3) erreichte 2023 mehr als 5.000 niederländische Betriebe und 2024 8.063; in Belgien gab es 2024 3.601 Fälle. Belgien hat die Impfung 2025 zur Pflicht gemacht.

Von der Pflicht zum Nutzen

Ein Registereintrag teilt der Behörde mit, dass es ein Tier gibt und wo es steht. Dem Betrieb selbst sagt er nichts Neues. Wird dieselbe Kennung aber als Schlüssel für die eigenen Aufzeichnungen des Betriebs genutzt, sieht das anders aus:

  • Tierbewegungen werden einmal erfasst und aus demselben Eintrag fristgerecht an das Register gemeldet.
  • Gesundheitsstatus und Impfungen sind dem Tier zugeordnet und liegen bereit, wenn ein Käufer oder eine Grenzkontrolle danach fragt.
  • Herkunft und Alter werden über jeden Verkauf hinweg mitgeführt. Das liefert die Aufzeichnungen, die Verifizierungsprogramme prüfen. Für alters- und herkunftsverifizierte Kälber werden 1 bis 4 $/cwt Aufpreis berichtet (Beef Magazine; UC Davis), allerdings nur im Rahmen eines auditierten USDA-Programms.

Die lückenlose Nachweiskette

Zwischen Geburt und Schlachthaken durchläuft ein Tier unter Umständen einen Milchviehbetrieb, einen Kälberaufzüchter, einen Aufzüchter, einen Mastbetrieb (Feedlot), mehrere Lkw und einen Schlachthof. Bei jeder Übergabe kann der Datensatz verloren gehen. Ein rückverfolgbares System liest bei jeder Übergabe die EID, gleicht die Stückzahl mit den Papieren ab und hält fest, wer das Tier wann übernommen hat. Das Ergebnis ist eine lückenlose Nachweiskette, die der Betrieb vorlegen kann, und nicht bloß eine Liste von Registernummern.

Wer was sieht

Rückverfolgbarkeitsdaten sind auch geschäftlich sensibel. Die Bewegungshistorie eines Betriebs verrät seine Abnehmer, Lieferanten und Mengen. Gute Systeme geben Behörden, was das Gesetz verlangt, geben Käufern, was der Betrieb freigibt, und behandeln alles andere standardmäßig als vertraulich. Siehe Datenrechte in der Landwirtschaft.

Vorschriften und Zahlen stammen aus den genannten Quellen, Stand Oktober 2026. Prüfen Sie vor jeder Entscheidung die aktuellen Vorgaben von APHIS, FAVV/AFSCA und RVO.

Projekt starten

Erzählen Sie uns, was heute mit Ihren Tieren geschieht.

Erzählen Sie uns von Ihrem Betrieb und davon, was Sie verbessern möchten. Wir antworten innerhalb eines Werktags.

Oder schreiben Sie uns direkt

juastins@icloud.com

Antwort innerhalb eines Werktags. Rufen Sie an oder schreiben Sie uns; was wir vereinbaren, wird schriftlich in Ihrem Portal festgehalten.